Würzburg- Heuchelhof
Ich besuchte heute endlich mal in den 3 Jahren, in denen ich in Würzburg nun schon wohne, den Stadtteil Heuchelhof. Mich interessierte es schon immer, wieso viele von meinem “Geburtsstadtteil” so schlecht reden. Gut, uns wurde damals in der Tiefgarage von unserem Hochhaus in der Den-Haager-Straße auch das Auto in Brand gesteckt. Aber ich war da vielleicht ein halbes Jahr alt, und nur noch meine Eltern erinnern sich an das gefährliche Pflaster dort, bei dem meine Mutter nur mit Pfefferspray das Haus verließ. Eigentlich interessierte mich dort heute nur die Kirche, in der ich getauft wurde, weil ich der Meinung bin, ich hätte das Innere der Kirche entweder schon einmal bewusst gesehen oder in einem Dejavu. Leider war ich heute nicht in dieser Kirche und weiß bis jetzt nicht, ob ich sie wirklich von innen wiedererkennen würde. In Heuchelhof angekommen, holte mich eher ein anderes Dejavu ein. Auf den ersten Blick kam mir sofort Stockholm-Rinkeby in den Sinn. Ein Viertel, revitalisiert durch die Stadt, angenehm für Familien und trotzdem ein Gefühl von sozialräumlicher und ethnischer Segregation. Der Heuchelhof ist rund um den Place-de-Caen sehr hell und einladend gestaltet. Aber durch die russischen Geschäfte und Lokale und auch viele andere Nationalitäten wie Rumänen z.B. bekommt man trotzdem das Gefühl, in einem segregierten Stadtbereich zu sein. Durch das Projekt der sozialen Stadt wurde auch der Heuchelhof etwas gemütlicher und ansehnlicher fürs Stadtbild. Man verweilt dort lieber als noch vor zwanzig Jahren, trotzdem überkommt einem das Gefühl von außerhalb des Landes sein. Nicht wegen den Menschen dort, sondern wegen der Infrastruktur und der Bauweise, die das Leben der Menschen auf die Plätze und die Straßen legt. Das Viertel ist offener geworden, einzelne Stelltafeln informieren über die jeweilige Kultur dort wie z.B. Russen oder Rumänen und machen so die Gesellschaft toleranter. Ich denke trotz all den Bemühungen besitzt der Hauptteil der Bevölkerung dort Wurzeln in einem anderen Land. Eine Durchmischung der Minoritäten mit der Majorität ist noch nicht ganz gelungen, aber auf dem besten Wege dorthin. Durch Quartiersmanagementprojekte, Freizeitangebote, Deutschkurse und aktive Nachbarschaften wertet der Heuchelhof sein Image auf. Was damals noch ein vielleicht gemiedenes Viertel war, zeigt sich heute stolz und offen für alle.
