Der Spiegel

Ich bin dieses Wochenende mal richtig über meine Gedanken gestolpert. Fast hätte es mich auf den Boden gelegt. Ich hatte diverse Gespräche unter anderem welche über Frauen. Es ging darum, was an Frauen attraktiv ist und welche Frauen überhaupt in dieses Bild der, sagen wir mal gutaussehenden Frau passen. Ich habe den Gesprächen eher zugehört als mich aktiv zu beteiligen. Das Wort „gutaussehend“ oder allgemein diese Kategorie kann man je nach Geschmack unterschiedlich definieren – aber darum gings nicht. Dann kam das Thema darauf, was denn so alles an mir perfekt/gutaussehend/geil ist. Da habe ich dann seltsamerweise einfach nur zugestimmt und es als deren Meinung hingenommen. Habe mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht. In einem anderen Gespräch ging es um meine Vergangenheit – kurz gesagt, dass ich anscheinend sehr begehrt war als ich noch Single war – ( ja ich! ich? – da kommt das alte Ich wieder durch). Ich hab dazu dann nur geantwortet, dass ich vielleicht vieles anders gemacht hätte, wenn ich das gewusst hätte. Damit hatte sich das Thema gegessen –abgehakt unter: war einmal – wäre eine tolle Zeit gewesen – aber hat keinen Einfluss auf mein Leben jetzt –also unwichtig.
Ich bin dann Samstagnacht hochgeschreckt so als ob ich den Rauch eines Feuers gerochen hätte. Ich saß kerzengerade im Bett und mein Kopf ratterte: Warum habe ich den Gesprächen eigentlich nicht widersprochen? Warum habe ich nicht gesagt, dass das nicht so ist und sie mich nur durch ne falsche Brille sehen? Warum habe ich ihnen nicht meine Sicht über mein eigenes Aussehen erklärt? Warum habe ich nicht dagegen protestiert?
Ich war nie gut auf das Thema Aussehen anzusprechen, hab mich davor immer versteckt bzw. meine eigene Sicht der Welt entwickelt, die mir zwangsweise in der Jugend aufgezwungen wurde. Ich habe darüber nachgedacht, wann ich das erste Mal der Meinung war, dass ich nicht gut aussehe. Als Kind/Teen stehst du oft vor dem Spiegel. An einem Tag ist alles in Ordnung, du findest dich ganz okay – jetzt nicht hübsch, aber ganz passabel. Doch am nächsten Tag, als dir andere Kinder/Teens zurufen, wie hässlich du doch bist oder dir unnette Spitznamen geben (die werde ich jetzt nicht aufzählen) – da ändert sich plötzlich alles schlagartig. Du schaust von nun an in den Spiegel und findest dich hässlich, wie Abschaum. Wann ändert sich das wieder? Lange nicht, ich kann nicht genau sagen wann sich das geändert hat.
(Dass es ein Zeichen von Schwäche ist, die Meinung anderer zu übernehmen und nur noch danach sein Leben auszurichten, weiß ich. Ich bin da auch nicht stolz drauf, aber jeder Mensch war einmal schwach bevor er stark wurde)
Was also hat sich jetzt geändert? Ich habe Selbstbewusstsein (in manchen Momenten zwar immer noch sehr wenig) aber immerhin existiert sowas mittlerweile. Das Selbstbewusstsein hat sich, denke ich, dadurch aufgebaut, dass ich Freunde/Partner hatte, die mir eine andere Sichtweise über mich gezeigt haben. Da sie für mich zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden sind, habe ich dadurch wahrscheinlich unbewusst ihre Ansichten über mich übernommen, ohne mir allzu viele Gedanken darüber zu machen. (Die Gedanken, warum ich überhaupt Freunde/Partner hatte, wenn ich doch so ein Abschaum wäre, hatte ich trotzdem oft). Mittlerweile hinterfrage ich es nicht mehr, ich hab einen Mann an meiner Seite, der es glaube ich geschafft hat, mich soweit aufzubauen, dass ich zumindest wieder gerne in den Spiegel schau (zumindest um zu prüfen ob das Outfit sitzt^^).
Diese Veränderung kam im Stillen und mich hat das Samstagnacht echt erschreckt, wie ich das nicht gemerkt haben konnte. Ein anderes Beispiel füge ich jetzt noch hinzu: Ich hatte damals immer Bedenken, etwas mit Menschen zu machen, die mich z.B. nur online kannten weil ich Angst hatte, wie sie auf mein Äußeres reagieren würden (gab genug solcher verletzender Treffen). In den letzten Jahren hat sich das geändert. Ich hab viele Freunde online kennen gelernt und versteh mich besser mit ihnen als mit denen, die mich z.B. durch die Schule/Uni kannten. Ich hatte keine Angst mehr vor einem Treffen (ich weiß nicht warum? Ich war nicht mal mehr nervös). Komischerweise ist es seitdem nie bei einem Treffen geblieben – daraus wurden Freundschaften. Ich bekam Komplimente und hab mich da kaum noch dagegen gewehrt. Ich habe es auch nicht mehr hinterfragt (gut, vielleicht war es eine Zeit, in der mein Kopf mit vielen anderen Dingen beschäftigt war). Wenn ich drüber nachdenke, hab ich mich in den letzten 1-2 Jahren nicht mehr dagegen gewehrt. Ich bin offener geworden und gehe lockerer mit dem Thema um. Das macht vielleicht auch nur das Alter ^^ oder vielleicht doch das Umfeld – ich weiß es nicht.
Zwar gibt es oft noch Momente, wo meine alte Sichtweise über mein Äußeres nach außen dringt, wo ich mir einfach wünsche….., wo ich die Leute in Gedanken anschreie, dass sie mir endlich die Wahrheit ins Gesicht sagen (- ich bin nicht gutaussehend -). Einfach um Gewissheit zu haben und endlich beruhigt zu sein, dass ich doch nicht so falsch denke. Aber diese Momente sind nur noch selten, ich habe mich damit arrangiert, weniger über das Thema nachzudenken und einfach die Meinung der Leute um mich herum hinzunehmen. Keine Diskussion, kein Aufdringen meines Weltbildes. Ich denke, das ist der einfachste Weg und da ich schon längst unbewusst auf ihm wandere, sollte ich ihn auch nicht verlassen…..

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~ von Katinka - 13 Oktober, 2014.

Eine Antwort to “Der Spiegel”

  1. Mir ging es so, daß ich mich eben zu viel, zu lange und vorallem unterbewußt von anderen Menschen abhängig gemacht habe. Menschen machen Fehler, manche wollen dir auch übel zusetzen und nicht selten manipulieren, damit du dich in ihrem Lebensgefüge besser einsortieren können. Das funktioniert oft frappierend gut – und viele Menschen leiden stillschweigend darunter.
    1995 bin ich da ausgestiegen, sehr zum Unmut einiger Menschen – Es ist mir Wurst. Bis heute. Und damit lebt es sich verdammt gut. 😀
    Im Urlaub fragte mich meine Tochter mit großen Augen: „Papi, was ist eigentlich Schämen?“ – Ich sagte „kann ich nicht erklären, mußt du Mama fragen“ und machte ein unwissendes Gesicht dazu :>
    Ich bin Jesus dafür dankbar, daß ich von diesem.. „Menschendenken“ frei bin.

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